mit dem Historiker Götz Aly

mit dem Historiker Götz Aly

Podcast - Aus dem Leben | 11.08.2026 | Dauer: 01:04:04 | SR 3 - Karin Mayer

Themen

Welche Rolle spielte meine Familie unter Hitler? Dieser Frage gehen nach der digitalen Veröffentlichung der erhaltenen Bestände der NS-Mitgliederdateien aktuell viele nach. Das Interesse an der eigenen Familiengeschichte und der Verantwortung der Eltern und Großeltern während der Zeit des Nationalsozialismus ist riesengroß. Nur ein paar wenige Klicks im Netz trennen dadurch oft von der langen vermiedenen Antwort auf die Frage, ob der eigene Opa ein Nazi war. Neben den Geheimnissen der eigenen Familiengeschichte beschäftigt viele beim Blick auf das Dritte Reich, die Nazis und deren Verbrechen im Zweiten Weltkrieg, bis heute immer wieder die Frage: „Wie konnte das geschehen?“ Götz Aly forscht seit vielen Jahrzehnten intensiv zum Nationalsozialismus und Holocaust. Der Historiker und Journalist hat dazu unzählige Bücher veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. In seinem aktuellen Buch hat er die Ergebnisse seiner jahrelangen Forschungen neu zusammengefasst und versucht dabei, die zentrale Frage zu beantworten, wie die NS-Führung massenhafte Zustimmung erhalten hat und so viele Deutsche sich an deren Verbrechen beteiligt haben. 1947 in Heidelberg geboren, studierte Götz Aly später Politikwissenschaft und Geschichte an der FU Berlin und gehörte zu den „jungen Wilden“ der Studentenrevolte. In den 80er-Jahren begann er neben seiner Arbeit als Journalist als Wissenschaftler zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust zu forschen. Dabei scheute er nicht den Gang in die Archive, misstraute abstrakten Erklärungen und suchte nach konkreten Lebensläufen einzelner Täter und Opfer, um zu erklären, was so schwer zu erklären ist. Seine Thesen, die er dabei zusammengetragen hat, haben immer wieder Streit ausgelöst. Götz Aly erforschte aber auch die Verstrickungen seiner eigenen Familie in der NS-Zeit. So schreibt er auch in seinem aktuellen Buch erneut über seine Eltern. Sein Vater arbeitete als kaufmännischer Referent bei der Gaujugendführung in der Saarpfalz, kämpfte als Wehrmachtsoldat an der Ostfront, wo er schwer verwundet und nach Warschau ins Lazarett gebracht wurde, das direkt an den Ghettomauern lag. Seine Mutter war beim Bund Deutscher Mädel und bei der Rundfunkspielschar. Neben seinen Forschungen zum Nationalsozialismus und zum Holocaust arbeitete Götz Aly als Journalist unter anderem für die „taz“ und die „Berliner Zeitung“ sowie als Gastprofessor. In SR 3 „Aus dem Leben“ unterhält sich Götz Aly mit Gastgeber Uwe Jäger darüber, wie die Nazis Millionen Deutsche nicht nur in Mitwisser, sondern auch in Mittäter verwandeln konnten und über die Frage, ob so etwas wieder geschehen kann. Außerdem geht es darum, warum es aus seiner Sicht wichtig ist, dem Interesse an der eigenen Familiengeschichte in der NS-Zeit nachzugehen

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